Die Reichenhaller Gebirgssch├╝tzen und die Schlacht am Bodenbichl

├ťber die Schlacht am Bodenbichl wurde vieles geschrieben und wir wollen die Arbeit von Dekan Lechner aus der "Chronik von Anger" wiedergeben: Wieder ert├Ânte Kanonendonner an unsere Berge. Am 7. April 1809 hatte Napoleon auf der Innbr├Ącke zu M├╝hldorf dem bayerischen General Wrede den Befehl erteilt, in der Richtung nach Salzburg aufzubrechen. Der ├Âsterr. Feldmarschall Jellachich hatte seine Armee vor Salzburg in den Waiser Feldern aufgestellt; doch erwartete ihn dort kein Angriff und w├Ąhrend die ├Âsterr. Artillerie in der N├Ąhe von Anthering und Maria Plain ├╝beraus tapfer k├Ąmpfte und den bei Laufen ├╝ber die Salzach gesetzten Feind aufhielt, konnte er sich mit seiner Armee nach Hallein zur├╝ckziehen. In Salzburghofen stand das salzburgische 2. Landwehrbataillon, das bei seiner Ankunft in Salzburg durch das siegreiche Eintreffen der Franzosen so entmutigt wurde, da├č es sich auf der Stelle aufl├Âste und in seine Heimat zur├╝ckkehrte. Jetzt ├╝berschwemmte wieder das feindliche Heer das ganze Land. Die Tiroler wollten sich an Bayern nicht ergeben und das war der Anfang jener ber├╝hmten Tiroler Freiheitskriege, deren Leitung ein Andreas Hofer, ein Speckbacher und der Franziskaner Haspinger ├╝bernahm. Napoleon hatte ein Heer von 40.000 Mann Bayern und Franzosen gegen Tirol geschickt. Allein die Begeisterung f├╝r die Freiheit der Heimat hatte dem kleinen Tiroler H├Ąuflein, das auch nicht gen├╝gend bewaffnet war, L├Âwenmut verliehen. Napoleons Armee musste zur├╝ck durch das Saalachtal nach Salzburg, hinter ihnen die Tiroler, best├Ąndig im Kampfe. Jeder einigermassen geeignete Punkt wurde zum Schlachtfeld. Der Pa├č Lueg wurde genommen, aus unzug├Ąnglichen H├Âhen hatten die Bergsch├╝tzen auf die zusammengedr├Ąngte feindliche Armee ihr Feuer er├Âffnet. ├ťber Melleck, Steinpa├č, Bodenb├╝hel, Schneizireuth, ├╝berall k├Ąmpfend und siegend kamen die Tiroler bis Reichenhall. Das ganze Berchtesgadener Land war gleichsam ein einziges weit ausgedehntes Schlachtfeld einzelner k├Ąmpfender kleinerer Truppen. Schon f├╝rchtete man, Bayern sei verloren. In welcher Angst m├Âgen damals, vielleicht auch in welch begeisterter Stimmung unsere Leute den vielversprechenden Erfolgen der ├Âsterr. Armee gefolgt sein.
General Wrede, der mit seinen Bayern in Salzburg lag, sammelte das zur├╝ckflutende bayerisch-franz├Âsische Heer und zog den Tirolern entgegen. Schon bei Reichenhall, wo diese eben standen, begannen erbitterte K├Ąmpfe. Der Tiroler F├╝hrer Speckbacher hatte mit seinen 17 Kompanien Aufst├Ąndischer die Bayern zur├╝ckgedr├Ąngt und bei Unken das letzte bayerische Bataillon fast ganz aufgerieben und zog gegen Reichenhall. Dorthin war Kronprinz Ludwig von Bayern, der die 1. Division kommandierte und sein Hauptquartier in Salzburg hatte, eingetroffen und mit ihm Graf Rechberg, F├╝hrer der 1. Brigade. Mittags 11 Uhr am 16. Okt. 1809 r├╝ckten 2 Kolonnen ├╝ber Karlstein nach Wei├čbach, um den Feind glauben zu machen, die Bayern z├Âgen nach Inzell, biwakierten dort und zogen nachts 11 Uhr m├╝hsam durch steinige Rinnsale den Litzlbach hinan, gef├╝hrt vom Revierf├Ârster von Karlstein, Franz Ferchl, zur Steinbachalm. Hier teilten sie sich in 2 Kolonnen, um den Feind bei Melleck von Westen her zu fassen. Eine 3. Kolonne unter Graf Rechberg marschierte am 17. Oktober fr├╝h 5 Uhr von Reichenhall ab auf den Kuglbachberg unter F├╝hrung des Kuglbachbauern Georg Baueregger ├╝ber den Gebersberg und die Dreiwand zur Sammerbr├╝cke. Eine 4. Kolonne unter Oberst v. Str├Âhl, gef├╝hrt vom Revierf├Ârster von Reichenhall Franz Wein mit Infanterie, Kavallerie und Artillerie r├╝ckte ├╝ber Baumgarten nach Jettenberg. So waren die Tiroler bei Melleck umschlossen. Um 1/29 Uhr begann der Kampf. Speckbacher leitete ihn und k├Ąmpfte mit wahrem L├Âwenmut. Allein die Tiroler konnten der ├ťbermacht nicht standhalten; sie wurden besiegt.
300 Tiroler verloren das Leben, 300 die Freiheit, unter den Gefangenen war Speckbachers Sohn Anderl, den K├Ânig Max sp├Ąter in M├╝nchen studieren lie├č. Speckbacher selbst, verwundet, rettete sich mit einigen kleinen Abteilungen in die Berge. Das Ende des Aufstandes ist bekannt. Hofer wurde durch Verrat gefangen und zu Mantua erschossen, der Aufstand brach zusammen.
Am 14. Oktober 1809 wurde in Wien zwischen ├ľsterreich und Napoleon Friede geschlossen. Die ganze Gegend am linken Salzachufer kam zur Belohnung an die Krone Bayern mit der Stadt Salzburg und der Propstei Berchtesgaden. Das war nun die Zeit gro├čer Ver├Ąnderungen. Die Pfleggerichte Plain, Staufeneck und Raschenberg wurden aufgel├Âst und dem Stadtgericht Salzburg resp. Laufen zugewiesen. Der letzte Pflegrichter in Staufeneck seit 1799 war der als Geschichtsforscher bekannte Franz Kleinmayer, ein edler Mann, in Raschenberg

Franz v. Angliardis.

“Geschichte der Bayerischen Gebirgssch├╝tzen”

47 Gebirgssch├╝tzen-Kompanien halten heute die viele Jahrhunderte alte Tradition der Bayerischen Gebirgssch├╝tzen aufrecht. Ihre Geschichte geht zur├╝ck auf das Landaufgebot der Bauern im Mittelalter. Eine wichtige Phase f├╝r die Gebirgssch├╝tzen stellt das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts dar. Um das Land Bayern vor “mutwilligem einzug und beschedigungen” zu beschirmen, wird die wehrhafte B├╝rger- und Bauernschaft gebraucht. Ab 1488 werden deshalb verst├Ąrkt Musterungen im ganzen Land durchgef├╝hrt. In den ├╝ber diese Musterungen aufgestellten Wehrmannschaften sehen wir die Vorg├Ąngerformationen der Gebirgssch├╝tzen. Die Idee und die Funktion dieser Gebirgssch├╝tzen - n├Ąmlich die Verteidigung ihrer unmittelbaren Heimat, ihrer Familien und ihres Besitzes - sind ├╝ber die Jahrhunderte gleich geblieben, ob die Formationen nun Landfahnen, Landesdefension oder Gebirgssch├╝tzenkompanien heissen. In diesem geschichtlichem Zusammenhang betrachtet sich die Gemeinschaft der Gebirgssch├╝tzen nicht nur als eine blosse Vereinigung oder als eine Organisation sondern als e i n e den bayerischen Staat tragende Institution.

14. bis 18. Jahrhundert

1369  erste Erw├Ąhnung der “ P├╝xen Sch├╝tzen zu Reichenhall” als b├╝rgerliche Sch├╝tzenkompanie

1492  In ganz Oberbayern finden Musterungen der zur Landesverteidigung tauglichen wehrf├Ąhigen M├Ąnnern statt. So liegen in den Archiven zahlreich Musterungslisten, z.B. aus den Landgerichten Aibling, Auerberg und Wolfratshausen, aus den Klostergerichten Benediktbeuern und Tegernsee oder aus der Hofmark Hohenburg und dem “Falksteiner Gericht.

1525  Aufst├Ąndische Schwazer Erzknappen suchen ├╝ber das  Werdenfelser Land und ├╝ber das Benediktbeurer und Ettaler Klostergebiet die Verbindung mit den rebellischen schw├Ąbischen Bauern. Zur Abwehr der von diesen aufr├╝hrerischen Schwazer Bergknappen bef├╝rchteten Gefahr und zum Schutz der Grenze gegen Tirol stellt der Abt von Benediktbeuern eine eigene Wachmannschaft auf.

1600  Herzog Maximilian setzt seine schon seit 1595 betriebenen Pl├Ąne zur Erneuerung der Landesdefension mit einer allgemeinen Landmusterung konsequent um.

1632  Schwedische Truppen dringen weit ins Oberland vor. Kl├Âster werden gepl├╝ndert, D├Ârfer und M├Ąrkte gebrandschatzt. Nach anf├Ąnglichen R├╝ckschl├Ągen gelingt es den gemeinsamen Aufgeboten der Gebirgssch├╝tzen des Oberlandes, die feindlichen Truppen zu vertreiben und im Westen entlang der Loisach und der Isar eine Verteidigungslinie aufzubauen. In den folgenden Jahren bis 1648 m├╝ssen sich die Gebirgssch├╝tzen wiederholt bew├Ąhren im Tegernseer Raum, an der Loisachlinie vom Kochelsee bis Beuerberg, im Isarwinkel, im Inntal und in den Orten von Aibling und Rosenheim bis nach Kiefersfelden.

1642  Ein 2300 Mann starkes Miesbacher Sch├╝tzenregiment wird aufgestellt.

1702  Die Kl├Âster Benediktbeuern und Tegernsee reorganisieren im Rahmen des allgemeinen Landesdefesionswesens ihre Mannschaften zum Schutz ihrer Grenzen zu Tirol hin.

1703/1704  Die Mannschaften aus der Grafschaft Werdenfels, aus den Klosterlanden von Benediktbeuern und Tegernsee, aus den Herrschaften Hohenwaldeck und Hohenaschau sowie aus den Landgerichten Auerburg, Marquartstein, Reichenhall, T├Âlz und Traunstein bew├Ąhren sich im Abwehrkampf gegen Angriffe aus Tirol als Sch├╝tzer der engeren Heimat im Gebirge.

1704  Bayern wird unter kaiserlich-├Âsterreichische Administration gestellt. Die bayerische Bev├Âlkerung mu├č furchtbar leiden unter einer rigorosen wirtschaftlichen Ausbeutung, der Einquartierung von r├╝cksichtslosen Besatzungssoldaten und Zwangsaushebungen von Rekruten f├╝r das ├Âsterreichisch-kaiserliche Milit├Ąr.

1705  Die dr├╝ckenden Lasten der Fremdherrschaft treiben die Bayern landesweit in den Aufstand. Diese Volkserhebung wird in Oberbayern getragen von der Organisation der Landesdefension, der Vorl├Ąuferformation der Gebirgssch├╝tzen. In der sogenannten Sendlinger Mordweihnacht bricht dieser Aufstand in einer bitteren Niederlage zusammen. Sie fordert mit 1031 registrierten Gefallenen den h├Âchsten Blutzoll in der langen Geschichte der Gebirgssch├╝tzen

1742  Die Isarwinkler Sch├╝tzen vertreiben die ber├╝chtigten Trenck’schen Panduren.

1791  In Reichenhall und in Traunstein wird ein eigenes Salinencorps aufgestellt.

19. Jahrhundert

1805  Die “Organisation eines Corps baierischer Gebirgssch├╝tzen” zum Schutz der bayerischen S├╝dgrenze wird aufgebaut. Schon nach drei Monaten wird das Corps aber wieder aufgel├Âst, weil sich die Gefahrenlage an der bayerischen S├╝dgrenze entsch├Ąrft hat.

1809  Die Bewohner des in das K├Ânigreich Bayern eingegliederten Landes Tirol erheben sich unter dem Kommando von Andreas Hofer gegen die bayerische Verwaltung. Ein nicht unwesentlicher Teil der daf├╝r aufgebotenen Sch├╝tzenkompanien unternimmt unter dem Befehl des Sch├╝tzenmajors Teimer zusammen mit Einheiten des ├Âsterreichischen Milit├Ąrs ausgedehnte Streifz├╝ge nach Bayern, um dort Kontributionen einzutreiben. Raub und Erpressung kennzeichneten ihren Weg. Besonders schwer betroffen durch Pl├╝nderung und Demolierung war z.B. das k├Ânigliche Gut Schwaiganger bei Murnau. Die Ausf├Ąlle der Tiroler erfolgen entlang der gesamten bayerisch-tirolischen Grenze vom Steinpa├č bei Melleck und Schneizlreuth bis zum Graswangtal im Ammergau.

1809  Nach dem Muster von 1805 wird ein Gebirgssch├╝tzencorps wiedererrichtet. Dieses Corps ist die dringend notwendige Antwort auf die im April 1809 von Tirol begonnenen und systematisch fortgef├╝hrten Grenz├╝bergriffe gegen die bayerische Zivilbev├Âlkerung. Die Gebirgssch├╝tzen unter dem Oberbefehl von Graf Arco behaupten sich in heftigen  K├Ąmpfen bei Lenggries, ganz besonders auf dem Schelmbichel bei Kochel und bei Spatzenhausen/Murnau sowie am Steinpa├č bei Melleck.

1813  Erneut stehen die Gebirgssch├╝tzen Wache im bayerisch-tirolischen Grenzgebiet.

1829  K├Ânig Ludwig I. besucht T├Âlz. 500 Gebirgssch├╝tzen aus Wackersberg, Lenggries und Gai├čach stehen den Markt hinauf Spalier

1835  Einweihung der K├Ânig Otto Kapelle bei Kiefersfelden. Zwei Kompanien aus Schliersee und aus dem Leitzachtal melden sich dazu freiwillig zum Paradedienst.

1835  Die Gebirgssch├╝tzenkompanien von Gai├čach, Lenggries und Wackersberg erregen gro├čes Aufsehen beim Festzug anl├Ą├člich der Silberhochzeit von K├Ânig Ludwig I. und des 35-j├Ąhrigen Oktoberfestjubil├Ąums.

1842  Die Gebirgssch├╝tzenkompanien Lenggries, Wackersberg und Reichenhall nehmen aus Anla├č der Verm├Ąhlung des Kronprinzen Maximilian am sogenannten Brautzug teil.

1848  Erla├č der “ Gebirgssch├╝tzenordnung von Oberbayern “

1866  Erla├č einer “Technischen Instruktion f├╝r die Organisation der Gebirgssch├╝tzen”

1869  Aufl├Âsung der Gebirgssch├╝tzen als staatliche Organisation

1870  Einige Kompanien, wie die von Benediktbeuern, Gai├čach,Gmund, Lenggries, Schliersee und Wackersberg, bestehen als privatrechtliche Vereinigungen weiter.

20. Jahrhundert

1900  Errichtung des Schmied-von-Kochel-Denkmals in Kochel in Anwesenheit der damals noch existenten Gebirgssch├╝tzenkompanien von Benediktbeuern, Gmund, Gai├čach, Lenggries und Wackersberg.

1905  Errichtung des Oberl├Ąnder Denkmals in Waakirchen ebenfalls in Anwesenheit der vorgenannten “alten” Kompanien.

1911  Errichtung eines weiteren Oberl├Ąnder-Denkmals in Neukirchen, in der Vorhalle der Neukirchner Pfarrkirche.

1919  Kronprinz Rupprecht stiftet die Landessch├╝tzenfahne

1920  Weihe der Landessch├╝tzenfahne in Tegernsee

1949  Tag des Alpenl├Ąndischen Volkstums in Rottach-Egern als 1. Treffen der historischen Gebirgssch├╝tzenkompanien nach dem 2. Weltkrieg

1951  Gr├╝ndung des Bundes der Bayerischen Gebirgssch├╝tzen-Kompanien in Reichersbeuern

1951  Die Landessch├╝tzenfahne wird Bundesfahne

1953 Errichtung der “Kiem-Pauli-Stiftung der Bayerischen Gebirgssch├╝tzen”

1975  Proklamation der “ Alpenregion der Sch├╝tzen “ in Innsbruck durch den Bund der Bayerischen Gebirgssch├╝tzen-Kompanien, den Bund der Tiroler Sch├╝tzenkompanien und den S├╝dtiroler Sch├╝tzenbund “.

Dieser geschichtliche Ablauf wurde Zusammengestellt durch Martin Haberfellner im Jahr 2003.

Hinweise auf Literatur ├╝ber die Bayerischen Gebirgssch├╝tzen und ihre Geschichte

- Hans-G├╝nther Kaufmann, Dr. Gerhard Maier, Bayerische Gebirgssch├╝tzenkompanien,

Miesbach ohne Jahr

- Dr. Gerhard Maier, Die Gebirgssch├╝tzen des Miesbacher Oberlandes, Miesbach 1978

-Paul Ernst Rattelm├╝ller, Die Bayerischen Gebirgssch├╝tzen, M├╝nchen 1977

- Leo Weber, Gerhard Maier, Bayerns Gebirgssch├╝tzen, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg 1999

- Gebirgssch├╝tzen Inn-Chiengau, herausgegeben vom Gebirgssch├╝tzenbataillon Inn Chiemgau, Landsberg am Lech 1996

- Schwarz fest im Aug Im Herzen wei├č und blau, herrausgegeben vom Bund der Bayerischen Gebirgssch├╝tzen