Die Chronik
der Gebirgsschützen-Kompanie-Reichenhall e.V.

Die Gründung im Jahre 1805

Mit dem Aufruf zur Gründung eines „Corps bairischer Gebirgsschützen" findet in Reichenhall die Gründung einer Gebirgsschützenkompanie statt. Leider fand sich der Akt über „Militärwesen" nicht mehr bei den Akten der Saline, so dass nur wenige Bruchstücke in verschiedenen Akten auftauchten.

Der bekannteste Führer der Reichenhaller Gebirgsschützen war Salinenrat und Salinenoberinspektor                               Kaspar von Reiner

Aus seinem Leben soll hier einiges aufgezeichnet werden. Am 2. Januar 1769 als Sohn eines Anwesens- und Ziegelei-Inhabers in Murnau geboren, besuchte er in Salzburg das Gymnasium, wo er auch im Fürstl.-Erzbischöflichen Stifte zu St. Peter Singknabe und später Chormusiker war.
Von da kam er in das Kloster Steingaden und von dort zur Universität Ingolstadt, wo er das Cameral und Bergwesen als Fachstudium wählte. Von dort kam er als Bergbeamter nach Fichtelberg.

1804 als Oberverweser nach Bergen und 1807 nach Reichenhall als Oberinspektor, auch für die Saline Traunstein zuständig.

Als erster Beamter der Saline unterstand ihm wohl auch die Bürgerwehr und vor allem die Gebirgsschützen, welche ja fast ausschliesslich irgendwie bei der Saline beschäftigt waren. Der Plan, in vier Gruppen die Tiroler zu umzingeln, stammt von Kaspar von Reiner, der dem Militär auch die Führer mitgab, und einteilte. K.v. Reiner zeichnete sich auch beim Brand der Stadt am 9. November 1834 und beim Wiederaufbau besonders aus. Seine Verdienste um die Stadtschule und der männlichen Feiertagsschule sind besonders anzuerkennen. Von Reiner erwarb die Brandruine Axelmannstein und sein Schwiegersohn Ernst Rinck baute sie zum Kurhotel aus.

Der Grabstein von Rinck und von Reiner im Friedhof St. Zeno sind in desolatem Zustand.

Die Wiedergründung im Jahre 1983

Schon ziemlich lang spukt der Gedanke an eine Wiedergründung der Gebirgsschützen-Kompanie Reichenhall in einigen Köpfen ....

Anfangs der 70er Jahre schreibt Gauhauptmann Emil Schuler (Aschau) an Stadtheimatpfleger Fritz Hofmann. Er bittet ihn, sich an eine Wiedergründung zu wagen. Hofmann ergreift wegen Arbeitsüberlastung diesen Gedanken noch nicht auf.

Anfang 1982 beginnt Heinz Schmidbauer, den Stadtheimatpfleger für den Gedanken der Wiedergründung zu begeistern. Beide verabreden, je einen weiteren aktiven Mann zu gewinnen. Im August 1982 spricht Fritz Hofmann Franz Steiner an und bittet ihn um Mitarbeit. Spontan erklärt dieser seine Bereitschaft zur Mitwirkung bei einer Wiedergründung. Im Oktober 1982 tritt Heinz Schmidbauer an seinen Kollegen und Schulkameraden Heinz Heinlein heran mit der Bitte um aktive Mitarbeit. Auch hier erfolgt eine sofortige Zustimmung.

Am 16. November 1982 treffen sich diese vier Männer erstmals zu einer gemeinsamen Besprechung, zu der Schmidbauer den Gauhauptmann des Bataillons Inn-/Chiemgau, Toni Greimel (Unterwössen) und den Hauptmann der Kompanie Endorf, Hans Doll, eingeladen hat. Nach deren Darlegungen und Ratschlägen und ausgiebiger Diskussion ist man sich einig.: Die Gebirgsschützen-Kompanie wird wieder gegründet.! Fritz Hofmann erklärt, dass er bei der Vorbereitung mithelfen, aber nach der Wiedergründung nur einfaches aktives Mitglied, wegen Arbeitsüberlastung (Stadtrat,  Kreisrat, Stadtheimatpfleger, Leiter des Heimatmuseums, 1. Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde, berufliche Tätigkeit bei der Saline) bleiben will. Alle haben für diesen Wunsch Verständnis.

Am 2. Dezember 1982 tritt die Kommissarische Hauptmannschaft erstmals zusammen. Man legt Termine fest, formuliert den Gründungsaufruf und Informationsschriften, beschliesst, wer die Informationen erhalten soll und legt sich auf die Montur getreu dem historischen Vorbild (Lithographie C. Grünwedel) fest. Neujahr 1983: Der Gründungsaufruf ist veröffentlicht, an 140 Vereine, Behörden und grössere Betriebe ist Informationsmaterial verschickt. Bald gehen die ersten Aufnahmeanträge ein. 17.1.1983:     Hauptmannschaftssitzung mit Beschluss über die ersten 28 Aufnahmen. Weitere Sitzungen folgen am 28.1.; 3.2.; 9.2.; 21.2.; 1.3.; 11.3.; 12.3.; 21.3.; 30.3.; 7.4. und 13.4,1983. Es geht um die Vorbereitung von Veranstaltungen, den Text der Satzung, die Waffenbeschaffung und Finanzierungsprobleme. 28.1. in Weißbach a.d. Alpenstraße (nach Kontaktbesuch bei der Nachbarkompanie Inzell), 3.2. beim Motzenwirt und 11.3.1983 im Bürgerbräu Bad Reichenhall: Informationsversammlung. Im Bürgerbräu hält Dr. Gerhard Maier /Miesbach vor ca. 170 Personen den Lichtbildervortrag "Geschichte der Bayerischen Gebirgsschützen".

12.3.1983: Kontaktgespräch der Komm. Hauptmannschaft mit der Landeshauptmannschaft (Stadler, Willibald, Wengermayer) und der Gauhauptmannschaft (Greimel, Biller) im Bürgerbräu.

26.3.1983:   Bataillonsversammlung  in Prien. Kompanie Reichenhall wird in das Bataillon lnn-/Chiemgau aufgenommen.

7.4.1983: Ausserordentliche Kompanieversammlung (82 Mitglieder anwesend) im Bürgerbräu zur Vorbereitung der Gründungsversammlung.

10.4.1983:   Bundesgeneralversammlung   des BBGK in Flintsbach. Aufnahme der Kompanie Reichenhall in den Bund der Bayerischen Gebirgsschützen Kompanien.

22.4. 1983:   Wiedergründungsversammlung in Bad Reichenhall.

Die Kompanie wurde am 22. April 1983 wiedergegründet und gehört dem Bund der Bayerischen Gebirgsschützen Kompanien im Bataillon „Inn-Chiemgau" an. Sie ist ein eingetragener Verein, dem die Gemeinnützigkeit zuerkannt ist. Zweck des Vereins ist das Erhalten und Weitergeben wehrhaften Brauchtums und Kulturgutes, Pflege des Schiesssports und damit Heimatpflege im umfassenden Sinn, sowie die Teilnahme an heimat- und brauchtumsverbundenen Veranstaltungen.

Männer und Frauen über 18 Jahren mit gutem Leumund, die im Einzugsgebiet wohnen oder beruflich tätig sind, sich Bayern als Heimat verbunden fühlen und sich zu den Aufgaben und der Satzung der GSK Reichenhall bekennen, können Mitglieder werden. Jugendliche können - mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten -  als Taferlbua, oder als Marketenderinnenanwärterin aufgenommen werden.

Die aktiven Mitglieder (Schützen) tragen bei geschlossenem Auftreten einheitliche Kleidung (Montur). Grüner Stopselhut mit schwarzen Schnüren und Spielhahnstoß, weißes Trachtenhemd mit schwarzem Mascherl, rotes Leibchen (Weste), darüber grüne Hosenträger, graues Schaike (Joppe) mit grünem Kragen und Ärmelbund, weiß-blaue Armbinde, schwarze Lederbundhose, naturweiße Wollstrümpfe und schwarze Haferlschuhe. Offiziere tragen eine graue, lange Lodenhose. Als weiteres tragen Offiziere , und der Fähnrich, einen Hirschfänger, die Pioniere Hacke und Pistole und die Schützen den Karabiner 98k als Stutzen. Schützen erhalten bei Eintritt die notwendige Sachkunde (mit Prüfung) über die Handhabung des Karabiners vermittelt. Marketenderinnen tragen ein festliches Dirndlgewand.

Der Beitrag beträgt für jedes 1. Mitglied einer Familie 17,-- €, für alle weiteren Familienmitglieder 15,-- €. Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr  sind beitragsfrei. Für die Beschaffung der Montur und des Karabiners hat der aktive Schütze derzeit rund 700,-- € aufzubringen.


Die aktiven Gebirgsschützen rücken im Jahr, gemäss den Veranstaltungsvorhaben, in Montur aus. Die wichtigsten hierbei sind, der Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen Kompanien und das Bataillonsfest des Gebirgsschützenbataillon INN-CHIEMGAU, sowie der eigene Jahrtag. Hinzu kommen noch interne Veranstaltungen, wie Maiandacht, Kompanie- und Püxenschießen, sowie Ausrückungen auf Einladungen von Ortsvereinen oder anderer Gebirgsschützen-Kompanien.
Die Kompanie unterhält im Keller des Gasthauses „Bürgerbräu" in Bad Reichenhall ihr „Schützenstüberl", das jeden Mittwoch ab 18.30 Uhr geöffnet ist und zu einem gemütlichen Beisammensein einlädt. In den Wintermonaten kann dort auf den eigenen Luftgewehrständen gegen geringes Entgelt geschossen werden. In den Sommermonaten kann auf der Schießanlage der Kgl.Priv. FSG Reichenhall im Gasthaus „Schießstätte" jeden Dienstag ab 17.30 Uhr mit Kleinkalibergewehren geschossen werden.


Aufruf

zur Mitgliedschaft in der historischen Gebirgsschützen-Kompanie Reichenhall

Liebe heimatverbundenen Männer und Frauen, hiermit rufen wir Sie auf Mitglied in unserer Kompanie zu werden. Wie früher sollen die Mitglieder der Kompanie nicht ausschließlich aus der Stadt Reichenhall, sondern auch aus Karlstein und Marzoll, aus Weißbach, vom Jochberg, aus Melleck, Ristfeucht, Schneizlreuth, Jettenberg , Bayerisch Gmain, aber auch aus Anger, Teisendorf und Freilassing kommen.

Wir wenden uns - über alle politischen Parteien hinweg - an die Landsleute aus allen Berufsgruppen, an Bürger und Arbeiter, an Bauern und Beamte, vor allem auch an Männer aus dem Polizei- und Zolldienst, an Zeit- und Berufssoldaten, Schützen, Forstleute und Jäger, an Holzknechte und Salinenbedienstete, die einst sehr maßgeblich in der Gebirgsschützen-Kompanie Reichenhall vertreten waren. Lehrer, Handwerker und Freiberufliche aller Art sind willkommen, kurz alle die im bayerischen Saalachtal zu Hause sind oder seit längerer Zeit hier wohnen oder nur berufstätig sind und sich der hiesigen Gegend als Heimat verbunden fühlen.

Im bayerischen Alpenraum bestehen bereits 47 Gebirgsschützenkompanien, in unserer Gegend in Inzell, Traunstein, Aschau, Samerberg, Prien, Endorf, Neubeuern, Oberaudorf, Bernau und Raubling.

Freundschaftlich und gut nachbarlich arbeiten die bayerischen Kompanien mit den Schützenkompanien in Tirol, Südtirol und Welschtirol zusammen.

Bitte machen Sie mit! Lassen Sie sich nähere Informationen geben. Wenden Sie sich an den Hauptmann der Reichenhaller Gebirgsschützen.

Die Alpenregion der Schützen

Das gemeinsame Fundament aller Schützenkompanien ist das öffentliche Bekenntnis zu einem christlichen, abendländischen Weltbild, der Einsatz für die Anliegen der angestammten Heimat und das Volkstum, sowie die Erhaltung des Schützenbrauchtums.

Die kameradschaftliche Annäherung über die Grenzen hinweg bewog Landeskommandant Hofrat Dr. Walter Zebisch vom Bund der Tiroler Schützenkompanien, den Landeshauptmann der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien Georg Hager-Sternecker und den Landeskommandanten des Südtiroler Schützenbundes Senator Dr. Karl Mitterdorfer, den Abschluss eines offiziellen Bündnisses der Schützen im Alpenraum vorzuschlagen.

Die offizielle Gründung der Alpenregion der Schützen erfolgte am 13.04.1975 in der Dogana des Kongreßhauses in Innsbruck anläßlich der 25-Jahrfeier des Bundes der Tiroler Schützenkompanien. Anwesend waren der Landeshauptmann von Südtirol, Dr. Silvius Magnago, der Landeshauptmann von Tirol, Eduard Wallnöfer, der Bayerische Ministerpräsident Dr. h.c. Alfons Goppel sowie der Bischof von Innsbruck, Dr. Paulus Rusch.   Das repräsentative “ 1. Treffen der Alpenregion der Schützen “ wurde am 30.07.1978 in Mutters, Bezirk Innsbruck-Land, abgehalten.

Bayern war bisher sechsmal der Gastgeber und zwar 1980 in Benediktbeuern, 1983 in Rottach-Egern/Tegernsee, 1986 in Garmisch-Partenkirchen, 1992 in Gmund a. Tegernsee, 2000 bei uns in  Bad Reichenhall,  2008 in Ohlstadt und 2016 wird es in Waakirchen sein.